Im Nationalpark Unteres Odertal liegt der einstige Schöneberger Forst: vor gut 40 Jahren forstlich angelegt und 1995 in den Nationalpark integriert. Nach den extremen, heißen und trockenen Sommern 2018 und 2019 sind große Teile der gepflanzten Baumbestände abgestorben – der Hitze- und Trockenstress wird in dem rund 400 Hektar großen Areal noch verstärkt durch extreme Randeffekte der umgebenden Offenlandschaft. Statt die Fläche forstlich zu behandeln, bleibt sie hier sich selbst überlassen – aus dem »Schöneberger Forst« ist der »Schöneberger Wildwald« geworden, in dem das Ökosystem selbst die Regie übernimmt.
Was zunächst wie ein Kollaps aussieht, ist der Beginn einer Wiederbewaldung: Die abgestorbenen Bäume spenden als stehendes Totholz noch Schatten, die mikadoartig liegenden Stämme bilden am Boden einen natürlichen Verbissschutz, und trotz Rehen, Hirschen, Wildschweinen, die wir – ebenso wie Wölfe – mit der Wildkamera aufgenommen haben, verjüngt sich der Wald. Da hier nicht gejagt wird, lässt sich untersuchen, wie sich Ökosysteme ganz ohne jagdlichen Eingriff erholen.
Das ECONICS INSTITUTE begleitet diesen Prozess wissenschaftlich: Eine eigene Wetterstation liefert Daten zu Niederschlag und Temperatur direkt vor Ort. Wir haben 30 Untersuchungsplots eingerichtet, in denen wir die Vegetation aufnhemen und mit sogenannten Dataloggern alle 15 Minuten Temperatur, Luft- und Bodenfeuchte messen. Ergänzend werten wir Satellitenbilder aus, um zu erkennen, welche Bestände seit 2017 an Vitalität verloren oder gewonnen haben. So wollen wir verstehen, wie die Selbstregulation eines Waldes nach einer solchen Kalamität wieder in Gang kommt – und welche kosteneffizienten, ökologisch sinnvollen Schlüsse sich daraus für den Umgang mit Wald unter den aktuellen Bedingungen des Klimawandels ziehen lassen.
Der Schöneberger Wildwald ist für uns ein Freilandlabor, in dem wir den Waldwandel erlebbar machen möchten: Im Rahmen von Exkursionen haben wir in der ersten Projektphase bereits Beobachtungen und Erkenntnisse teilen können und eine Informationstafel aufgestellt. Gemeinsam mit dem Nationalpark möchten wir diese wissenschaftsbasierte Naturerfahrung durch einen Erlebnispfad ausbauen und verstetigen, um bei der Bevölkerung, bei den Besuchenden des Nationalparks, aber auch bei Forstleuten dafür zu werben, dass ein Waldwandel, ja eine Walderholung, auch unter den hier im Nordosten Brandenburgs besonders extremen Klimabedingungen des 21. Jahrhunderts möglich ist.
Die wissenschaftliche Begleitung des Schöneberger Wildwaldes sowie die Kommunikation über die dynamischen Waldentwicklungsprozesse, die Konzeption eines Erlebnisfades, erfordern Zeit und Ressourcen, die wir uns gerne nehmen wollen – deshalb bitten wir um Unterstützung für dieses Vorhaben und danken ganz herzlich auch im Namen des Nationalparks unteres Odertal.