Die 10 Prinzipien der Wald-Allianz für eine sozialökologische Waldbewirtschaftung

Das ECONICS INSTITUTE ist Teil der Wald-Allianz: einem Netzwerk für Menschen, die Wald besitzen, bewirtschaften, erforschen oder sich für ihn engagieren. Zusammen wollen wir einen sozialökologischen Umgang mit Wäldern fördern. Doch was macht dieses Waldverständnis aus? Als gemeinsames Leitbild hat die Allianz nun die sozialökologische Waldbewirtschaftung in zehn Prinzipien beschrieben.
10 Prinzipien der Wald-Allianz für eine sozialökologische Waldbewirtschaftung, Foto: Christoph Nowicki

Die Wald-Allianz bringt Menschen zusammen, schafft Räume für das gemeinsame Lernen vom Wald und Erproben von neuen Wegen in der Praxis. Gemeinsam setzen sie sich für eine sozialökologische Waldbewirtschaftung ein, die ökologische Funktionsfähigkeit, natürliche Anpassungsfähigkeit und gesellschaftliche Verantwortung zusammendenkt.

Wie kann Waldbewirtschaftung künftig konkret aussehen? Dieser Frage soll nicht nur theoretisch nachgegangen werden – eine besondere Rolle spielen dabei die Waldpartner, die auf ihren Flächen schon heute zeigen, wie eine sozialökologische Haltung die Waldpraxis verändert.
Wie wir den Wald verstehen, bestimmt dabei, wie wir mit ihm umgehen: Wälder sind komplexe, sich selbst organisierende Ökosysteme. Unzählige Lebewesen und natürliche Prozesse wirken zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Zugleich sind Wälder eng mit ihrer Umwelt und unserer Gesellschaft verflochten. Die Wald-Allianz verbindet ökologische Erkenntnisse mit gesellschaftlicher Verantwortung – diese Haltung gibt Orientierung für die praktische Arbeit. Doch was macht das sozialökologisches Waldverständnis aus?

Als gemeinsames Leitbild hat die Wald-Allianz die sozialökologische Waldbewirtschaftung in zehn Prinzipien beschrieben. Sie verbinden die Perspektiven aus Wissenschaft, Waldpraxis und Zivilgesellschaft und sind die Grundlage des Handelns der Unterstützenden und Partner:innen der Allianz:

1. Wälder sind komplexe Ökosysteme.

Sie sind sowohl in größere ökologische Systeme eingebettet als auch von vielfältigen sozialen Systemen beeinflusst. Wälder sind komplexe, sich selbst organisierende Ökosysteme mit vielfältigen landschaftsökologischen Funktionen. Auf landschaftlicher und globaler Ebene sind sie in größere sozialökologische Systeme eingebettet und stehen mit ihnen in Wechselwirkung. Ihre Dynamik lässt sich nur begrenzt voraussehen und steuern.

2. Die im ökologischen Sinn bestmögliche Funktionsfähigkeit von Waldökosystemen erfordert Zeit und Raum.

Die ökologisch optimale Funktionsfähigkeit von Waldökosystemen beruht auf langfristiger Entwicklung und Reifung, auf ökologischer Kontinuität und räumlicher Verbundenheit. Resilienz entsteht durch Vielfalt, Vernetzung und die Ausbildung ökologischer Rücklagen.

3. Naturnähe bemisst sich an den Prozessen, Strukturen und Dynamiken sich selbst organisierender und regulierender Waldökosysteme.

Die sozialökologische Waldbewirtschaftung leitet Naturnähe aus potentiell natürlichen ökologischen Prozessen ab. Sie ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamisches und ergebnisoffenes Entwicklungsprinzip.

4. Sozialökologische Waldbewirtschaftung steht für einen bewussten Umgang mit Nichtwissen einschließlich vielfältiger Unsicherheiten sowie für die gemeinsame Wissensproduktion und für eine offene Fehlerkultur.

Wälder sind zu komplex, um sie und ihre Entwicklung in ihrer Gänze verstehen und vorhersagen zu können. Dies gilt es anzuerkennen und bei Entscheidungen zu berücksichtigen. Die Wald-Allianz erkennt nicht nur unterschiedliche Formen von Wissen an, sondern auch die Grenzen des Wissens und öffnet Raum für die Ko-Produktion von Wissen durch verschiedene Akteursgruppen.

5. Sozialökologische Waldbewirtschaftung ist adaptiv und damit lernorientiert.

Die Unsicherheiten und begrenzten Möglichkeiten gezielter Steuerung in Waldökosystemen erfordern ein zurückhaltendes, vorsorgendes und ergebnisoffenes Arbeiten. Die sozialökologische Waldbewirtschaftung wird dabei als kontinuierlicher Lernprozess verstanden, der einen adaptiven Umgang mit Wissen und Nichtwissen braucht.

6. Adaptive Waldbewirtschaftung braucht umfassende Informationen über den Wald, die Bewirtschaftungsmaßnahmen und über sich natürlich entwickelnde, eingriffsfreie Vergleichsflächen.

Die Orientierung an und die Entwicklung hin zu natürlichen ökologischen Prozessen erfordert einen Referenzrahmen. Die adaptive, lernorientierte Waldbewirtschaftung benötigt daher solide Daten aus langfristiger Beobachtung, transparente Dokumentation und den Vergleich mit natürlicher Waldentwicklung auf Referenzflächen ohne aktive Eingriffe.

7. Sozialökologische Waldbewirtschaftung dient dem Wohl der Wälder und damit den Menschen und der Gesellschaft.

Wälder erfüllen grundlegende ökologische und gesellschaftliche Funktionen. Sozialökologische Waldbewirtschaftung ist deshalb am dauerhaften Wohlergehen von Ökosystemen und Menschheit orientiert.

8. Sozialökologische Waldbewirtschaftung ist ethisch reflektiert.

Sozialökologische Waldbewirtschaftung erfolgt in Respekt vor dem Leben in all seinen Erscheinungsformen und vor zukünftigen Generationen. Sie ist daher immer auch ethisch reflektiert.

9. Sozialökologische Waldbewirtschaftung strebt Suffizienz an und fördert Waldgerechtigkeit.

Ein gutes Leben für alle Menschen ist nur innerhalb der planetaren Grenzen möglich. Aus der ethischen Ausrichtung der sozialökologischen Waldbewirtschaftung folgt daher ein suffizienter und gerechter Umgang mit dem Wald und seinen Leistungen.

10. Sozialökologische Waldbewirtschaftung steht für eine Ökonomie, die dauerhaft ein gutes Leben für alle Menschen und Wälder ermöglicht.

Die sozialökologische Bewirtschaftung des Waldes berücksichtigt ökonomische wie ökologische Folgen ihres Handelns vollständig.

Eine ausführliche Erläuterung der zehn Prinzipien gibt es hier:

Nach oben scrollen