Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index ist der »Geschäftsklimaindex« für Ökosysteme. Er beschreibt die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Landschaften in Deutschland und erscheint einmal jährlich.

ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index

Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index ist der »Geschäftsklimaindex« für Ökosysteme. Auf der Grundlage von gemessenen Umweltdaten zur spätsommerlichen Grünheit der Landoberfläche, der Niederschläge und der Oberflächentemperaturen an heißen Tagen beschreibt er die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Landschaften in Deutschland. Er erscheint einmal jährlich und bildet einen rollierenden Berichtszeitraum von fünf Jahren ab. Dabei geht es nicht nur um die Vitalität der Pflanzendecke, sondern auch die Situation der Wasserressourcen in den Ökosystemen und die zunehmenden Hitze- und Dürrerisiken für Mensch und Natur.

In der Wirtschaft fungiert der Geschäftsklimaindex als etablierter Indikator, der komplexe wirtschaftliche Dynamiken in einer einzigen, leicht verständlichen Kennzahl zusammenfasst, um Trends und systemische Risiken frühzeitig erkennbar zu machen. Der im Jahr 2025 erstmals vom ECONICS INSTITUTE vorgestellte »Grün-Feucht-Kühl-Index« überträgt dieses Prinzip mit Hilfe von realen Messwerten auf natürliche Ökosysteme und macht für jeden Ort in Deutschland sichtbar, wie leistungsfähig die Natürliche Infrastruktur ist und wo Ökosysteme Schutz oder Wiederherstellung bedürfen.
Im Zentrum der deutschen Hitzedebatte stehen bislang die Städte mit ihren versiegelten Flächen und dem oft nur spärlichen Grün – sehr viele Menschen sind hier direkt betroffen und zu Recht werden die Entsiegelung und Begrünung von Städten gefordert. Doch es gibt in Deutschland nicht nur städtische Hitzeinseln, sondern auch bislang weitgehend unbeachtete, ausgedehnte »Hitzelandschaften«, in denen die Risiken für Menschen und alle Organismen zunehmen.

Die Methodik des Index beruht auf der Auswertung und Integration von satellitenbasierten und meteorologischen Daten in einem Raster von 30 x 30 Metern und schafft somit ein neuartiges Instrument, das eine systematische Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Landschaften ermöglicht.

  • Grün: Spätsommergrünheit der Vegetation
  • Feucht: Der Jahresniederschlag, basierend auf den Daten des Deutschen Wetterdienstes
  • Kühl: Die Oberflächentemperatur an den heißesten Tagen, definiert als jeder Tag, an dem die Oberflächentemperatur in mindestens einem 30 x 30-Meter-Pixel des gesamten Betrachtungsgebiets (Deutschland) 40 °C überschritten hat)

Die Ergebnisse der auch international im Journal Ecological Solutions and Evidence publizierten Studie Working landscapes under climate change need to be green, moist, and cool — A case study of Germany liefern einen quantitativen Nachweis für die enge Verknüpfung dieser drei Faktoren auf nationaler Ebene. Vor allem wurde die zentrale Bedeutung gesunder Vegetation für die Stabilisierung des Klima- und Wasserhaushalts in Deutschland nachgewiesen.

Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index (große Karte links) integriert die drei Komponenten Grünheit der Vegetation im Spätsommer (Karte rechts oben), dem Jahresniederschlag (Karte rechts mittig) und der Oberflächentemperaturen an heißen Tagen (Karte rechts unten) in einer einzigen Skala von 0 bis 1, wobei höhere Werte auf kühlere, grünere und feuchtere Bedingungen hinweisen.
Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index (große Karte links) integriert die drei Komponenten Grünheit der Vegetation im Spätsommer (Karte rechts oben), dem Jahresniederschlag (Karte rechts mittig) und der Oberflächentemperaturen an heißen Tagen (Karte rechts unten) in einer einzigen Skala von 0 bis 1, wobei höhere Werte auf kühlere, grünere und feuchtere Bedingungen hinweisen.

Grün macht feucht und kühl!

Grüne und vitale Vegetation geht mit höheren Niederschlagsmengen und niedrigeren Temperaturen einher. Es ist ein bemerkenswertes Ergebnis, dass die Vegetationsgrünheit am Ende des Sommers sich als derjenige Parameter erwies, der niedrigere Oberflächentemperaturen statistisch verlässlicher vorhersagt als Niederschlag oder die Höhe über dem Meeresspiegel. Dieses Ergebnis unterstreicht, dass Regen allein keine ökologische Feuchtigkeit garantiert, vielmehr ist es die Vegetation, die darüber entscheidet, ob Niederschläge effektiv zurückgehalten und recycelt werden, was zu kühleren und widerstandsfähigeren Landschaften führt. Mehr noch: Die Vegetation trägt durch Evapotranspiration sogar zu den lokalen Niederschlägen bei, da sie Feuchtigkeit wieder in die Atmosphäre zurückführt. Die Grün-Feucht-Kühl-Triade verstärkt sich also durch positive Rückkopplungen selbst: Wo es kühler und feuchter ist, kann grüne Vegetation besser gedeihen, die wiederum das Wasser besser zurückhält und ihre Umgebung auch bei höheren Temperaturen kühlen kann.

Solche Rückkopplungen gelten allerdings auch dort, wo es kritisch heiß und trocken wird: Die Lebensbedingungen für Pflanzen verschlechtern sich, und sie können ihre Umgebung nicht mehr kühlen und befeuchten. Hitze, Trockenheit und die Schwächung der grünen Vegetation befeuern sich gegenseitig, was regelrecht zu einer Abwärtsspirale führen kann, mit der die Leistungsfähigkeit der Ökosysteme abnimmt – mit negativen Folgen für alle Ökosystemleistungen, an denen Menschen Interesse haben. Dazu gehört nicht zuletzt auch die natürliche Klimaschutzwirkung der Natur: In austrocknenden und geschwächte Wäldern oder Mooren wird der gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt, was wiederum den Klimawandel zusätzlich antreibt.

Wichtige Erkenntnisse: Die Landnutzung beeinflusst zu fast einem Fünftel die Verteilung der Oberflächentemperaturen in Deutschland, so viel wie sonst kein anderer Faktor. Und wo es grüner und kühler ist, gibt es sogar mehr Niederschläge – und zwar nicht nur in Bergregionen. Pro Einheit des benutzten Vegetationsindex ergab sich im Betrachtungszeitraum 2018-2024 durchschnittlich ein Plus von 297 Millimetern Jahresniederschlag. Grüne Vegetation, Wasser und relative Kühle bilden eine zentrale, sich wechselseitig beeinflussende Dreiecksbeziehung.

Der Grün-Feucht-Kühl-Index in einer schematischen Abbildung erklärt
Schematische Darstellung der Zusammenhänge zwischen der Grünheit der Vegetation, Niederschlag, Landoberflächentemperatur, Landnutzungsform und Höhenlage.

Der 2026 veröffentlichte Index beruht auf den durchschnittlichen Werten der Jahre 2021 bis 2025 und bestätigt die räumlichen Muster der ersten Berichtsperiode (2018–2024; Bericht herunterladen): Je grüner, feuchter und besser vernetzt eine Landschaft ist, desto wirksamer kann sie Belastungen abpuffern.
Zum ersten Mal werden mit hoher räumlicher Auflösung nicht nur die absoluten Grün-Feucht-Kühl-Werte kartiert, sondern auch die Fünfjahrestrends berechnet. Der Index zeigt: Viele Landschaften verlieren ihre Fähigkeit, Wasser zu halten und Temperaturen zu regulieren. Nach einer allgemeinen Verbesserung der Indexwerte im Jahr 2023 ist in den letzten beiden Jahren eine Verschlechterung zu verzeichnen. Im Jahr 2025 liegt der bundesweite Indexdurchschnitt um 16 % niedriger als 2021. Die Verschlechterung von 2024 nach 2025 betrug 7,2 %.

Karte links: Verteilung der durchschnittlichen Grün-Feucht-Kühl-Werte für den Fünfjahreszeitraum 2021–2025. Karte rechts: Veränderungstrend für die Jahre 2021–2025 (als Regression berechnet) für alle 30-Meter-Pixel in Deutschland. Grünliche Bereiche zeigen eine insgesamt positive Entwicklung, rötliche eine Verschlechterung.
Karte links: Verteilung der durchschnittlichen Grün-Feucht-Kühl-Werte für den Fünfjahreszeitraum 2021–2025. Karte rechts: Veränderungstrend für die Jahre 2021 bis 2025 (als Regression berechnet) für alle 30-Meter-Pixel in Deutschland. Grünliche Bereiche zeigen eine insgesamt positive Entwicklung, rötliche eine Verschlechterung

Die diesjährige Berichterstattung umfasst zudem auch die ökologische Verbundsituation der grün-feucht-kühlen Räume (»Ökologische Kernwerte«). Zusammen mit den Grün-Feucht-Kühl-Werten und den Trends werden sie für eine bundesweite Zonierung der Natürlichen Infrastruktur herangezogen. Die hoch aufgelösten Karten lassen sich auf regionaler oder lokaler Ebene interpretieren und nutzen. Die methodischen Erweiterungen wurden zur Publikation eingereicht und können als öffentlich verfügbarer Preprint eingesehen werden.

Die neuen Daten untermauern die Tatsache, dass sich besonders Ballungsräume und Industriegebiete an heißen Tagen überproportional aufheizen. Daneben führen intensive, strukturarme Landwirtschaft, die Über- und Fehlnutzung von Wäldern sowie der kontinuierliche Ausbau von Infrastruktur aller Art zu einer Schwächung der Leistungsfähigkeit der Natur. Zunehmende Fragmentierung zerstört ökologische Korridore, es kommt zu einem Verlust von kühlenden bzw. puffernden Funktionen. Insbesondere steigen aber auch die Produktionsrisiken in Land- und Forstwirtschaft.

Natur ist keine grüne Kulisse, die wir lediglich zur Erholung und Entspannung aufsuchen und betrachten können oder ein Warenlager, in dem wir uns nehmen, was wir für unser Wirtschaften benötigen. Vielmehr besteht die Natur aus komplexen Systemen, die im wahrsten Sinne des Wortes Arbeit verrichten, um zu existieren und zu funktionieren. Durch die physikalische Arbeit schaffen sie auch unsere Existenzgrundlage.
Die gute Nachricht: Die neuen Erkenntnisse zeigen, wie groß die Chance ist, über eine veränderte Landnutzung Widerstandsfähigkeit gegen die Klimakrise zu verbessern –die Natürliche Infrastruktur der gesamten Landesfläche ist dabei von überragendem öffentlichem Interesse. Um dem durch den Klimawandel bedingten Temperaturanstieg und den damit einhergehenden Belastungen für Mensch und Umwelt zu begegnen, müssen funktionale Landschaftseinheiten systemisch und als Ganzes verstanden und durch ein proaktives, vorbeugendes Management geschützt und erhalten werden. Die differenzierte Förderung und Behandlung der entsprechenden Flächen sind notwendig, ökologisch und ökonomisch sinnvoll sowie machbar.

Der zusammenfassende Report steht hier zum Download bereit:

Nach oben scrollen