Im Rittersaal auf Schloss Achberg bei Wangen im Allgäu sprach Prof. Ibisch zum Thema »Grüner, feuchter und kühler: Die Natur in Deutschland muss mehr arbeiten (und das kann sie auch, wenn wir sie dabei unterstützen)«. Der Vortrag war ein Beitrag zum Umweltbildungsfestival GreenPulse, das vom Partner des Studiengangs Sozialökologisches Waldmanagement elobau Stiftung organisiert wurde. Mit dem Vorstandsvorsitzenden Peter Aulmann sprach Pierre Ibisch über den von der Stiftung geförderten Studiengang und darüber, wie wir die Leistungsfähigleit unserer Landschaften unterstützen können.
Die Natur ist nicht einfach da, sondern sie besteht aus komplexen Ökosystemen, die permanent Arbeit verrichten müssen, um zu existieren und anpassungsfähig zu bleiben. Dabei wird mit Energie, Information, Wasser und Stoffen gewirtschaftet. Das Ergebnis sind ökologische Funktionen, die nicht nur für Wälder, Pilze oder Tiere wichtig sind, sondern natürlich auch für uns Menschen. Wir sprechen deshalb von Ökosystemleistungen oder natürlicher Infrastruktur. Diese sind für uns Wirtschaftsfaktor und Lebensversicherungen. Die Natur ist nicht unser Dienstleister, aber sie arbeitet für uns. Die gute Nachricht ist, dass wir ihr dabei helfen können. Was ist zu tun?
Grüne Vegetation, Wasser und relative Kühle bilden eine zentrale Dreiecksbeziehung – wo es grüner und kühler ist, gibt es sogar mehr Niederschläge. Die Art der Landnutzung ist dabei für fast ein Fünftel der Temperaturunterschiede verantwortlich, so viel wie kein anderer Faktor. Zusammenhängende, naturnahe Wälder, intakte Moore oder Auen wirken in der Landschaft wie natürliche Klimaanlagen. Um mit dem durch den Klimawandel bedingten Temperaturanstieg und den damit einhergehenden Belastungen für Mensch und Umwelt umzugehen, müssen solche funktionale Landschaftseinheiten systemisch und als Ganzes verstanden, geschützt und erhalten werden. Nur durch großräumig vernetzte Schutzgebiete und nachhaltige Bewirtschaftungskonzepte, lässt sich eine echte Resilienz der natürlichen Infrastruktur erreichen.
Landwirtschaftliche Flächen sollten insgesamt wieder kleinteiliger und strukturreicher werden. Es bedarf der Förderung von möglichst dreidimensionalen Vegetationsstrukturen. Praktiken zur Förderung der dauerhaften Bodenbedeckung (Zwischenfrüchte, Untersaaten, Mulch) und der Erhaltung von Grünland gebührt höchste Priorität. Agroforstsysteme, Hecken, Knicks und dauerhafte Grünstreifen bremsen den Wind, schaffen ein kühleres Mikro- sowie Mesoklima und tragen zur Wasserrückhaltung bei.
Das Schwammstadt-Prinzip ist inzwischen gut bekannt, muss aber vor allem in den kritischen städtischen Hitzeinseln tatsächlich zu wirksamen Aktionen führen. Kommunen sollten dabei von punktuellen, rein dekorativen Begrünungen und pflegeleichten Pflanzkübeln zu einem systemisch-funktionalen Ansatz übergehen und vernetzte Grün-Blaue Infrastrukturen sind in den Flächennutzungsplänen zu verankern.