Alles eine Frage der Energie – Ökosystembasierte Waldbewirtschaftung und Pronaturierung

Auf der Burg Bourscheid war Prof. Pierre Ibisch am 8. Juli 2026 anlässlich der Jahrestagung des Luxemburger Försterverbands AFL als Gastredner geladen und sprach zum Thema »Alles eine Frage der Energie: Ökosystembasierte Waldbewirtschaftung und Pronaturierung«: Wälder sind komplexe Systeme - die ökosystemaren Prozesse und Funktionen sind mehr und wichtiger als ihre Teile. Wälder wandeln Energie, verrichten Arbeit und wirtschaften mit knappen Ressourcen.
Prof. Pierre Ibisch spricht anlässlich der Jahrestagung des Luxemburger Försterverbands AFL als Gastredner zum Thema "Alles eine Frage der Energie: Ökosystembasierte Waldbewirtschaftung und Pronaturierung", Burg Bourscheid, 08.07.2026, Foto: Boy Ibisch

Anlässlich der Jahrestagung des Luxemburger Försterverbands AFL war Prof. Pierre Ibisch auf der Bourg Bourscheid als Gastredner geladen und sprach zum Thema »Alles eine Frage der Energie: Ökosystembasierte Waldbewirtschaftung und Pronaturierung«: Wälder sind komplexe Systeme – die ökosystemaren Prozesse und Funktionen funktionieren nicht deshalb, weil sie aus einzelnen Teilen bestehen, sondern weil diese miteinander interagieren. Ihre Fähigkeit zur Selbstorganisation und zugleich chaotische Eigenschaften beruhen auf der Vielfalt der vom Zufall beeinflussten Interaktionen und unzähligen Rückkopplungen. Dabei wandeln Wälder Energie, verrichten Arbeit und wirtschaften mit knappen Ressourcen.


Diese Erkenntnisse der Ökosystemökologie haben handfeste Konsequenzen für die Ziele und die Praktiken der Waldbewirtschaftung in der Klimakrise. Gerade angesichts unserer unauflösbaren Zukunftsblindheit und des notwendigen Endes eines statischen Managements ist es entscheidend, konsequent die Arbeitsfähigkeit der Wälder zu unterstützen. Der Weg in die Vergangenheit ist versperrt, es geht nicht um Erhaltung oder Wiederherstellung im engeren Sinne. Es gibt auch keine »potenzielle natürliche Vegetation«. Renaturierungsmaßnahmen zielen häufig darauf ab, Ökosysteme in einen vermeintlich ursprünglichen oder potenziell natürlichen Zustand zurückzuversetzen oder bestimmte Arten und Lebensräume wiederherzustellen. Solche Zielbilder beruhen jedoch auf einem statischen Naturverständnis, das den Menschen der Natur gegenüberstellt anstatt ihn als Bestandteil eines sozialökologischen Systems anzurkennen und dabei auch die unvorhersehbare Dynamik des anthropogenen Klimawandels ignoriert – historische Referenzzustände lassen sich schlicht nicht wiederherstellen. Nehmen wir uns deshalb eine ergebnisoffene, aber zielorientierte Pronaturierung vor, verstanden als einen Prozess, in dem natürlichen Systemen ermöglicht wird, ihr thermodynamisches Potenzial zu entfalten und so ihre physikalische Arbeitskapazität – und damit auch ihre regulierenden Ökosystemleistungen – zu maximieren, basierend auf Biomasse, Information und dem Netzwerk der Ökosystemkomponenten.

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