Aus der Asche – Was kommt nach dem Waldbrand?

Die neue Dokumentation »Aus der Asche – Was kommt nach dem Waldbrand?« macht deutlich, dass Waldbrände weltweit in Häufigkeit und Intensität zunehmen. Eine Herausforderung, die durch den Klimawandel verstärkt wird und mit der wir künftig umgehen lernen müssen. Zugleich zeigt sie eindrucksvoll, wie der Wald nach dem Brand zu neuem Leben erwachen kann. Zu sehen ist sie ab heute in der ARD Mediathek und am 27. Juli um 22.25 Uhr im Ersten.
Erneuter Waldbrand in Treuenbrietzen im Süden Brandenburgs. Nach dem ersten Brand 2019 brannte es hier 2022 erneut, 27.06.2022, Foto: Pierre Ibisch

Die aktuellen Bilder machen deutlich, dass Waldbrände zur neuen Realität des Klimawandels gehören. In Kanada haben die Flammen von über 800 gleichzeitig aktiven Feuern nach offiziellen Angaben bereits eine Fläche verbrannt, die mit rund 1,9 Mio. Hektar etwa der Größe von Rheinland-Pfalz entspricht. In Ontario mussten mehrere First-Nations-Gemeinden die Region verlassen; die Luftqualität in Großstädten wie Toronto war zetweise extrem schlecht.
Auch in Europa ist das Ausmaß erheblich: Allein ein Großbrand nördlich von Madrid vernichtete rund 32.000 Hektar Wald, ein weiterer aktiver Brand in Kastilien-La Mancha bereits etwa 26.000 Hektar – laut Regionalregierung der schlimmste in der Geschichte der Region. In Südwestfrankreich mussten wegen eines Feuers nahe Bordeaux tausende Menschen evakuiert werden, nachdem die Flammen binnen weniger als 24 Stunden rasant ausgebreitet hatten.

So unterschiedlich die Waldökosysteme sind – die Frage, die sich danach stellt, ist dieselbe: »Aus der Asche – Was kommt nach dem Waldbrand?«. Hier setzt die MDR-Dokumentation an: Ziel von Filmemacher Uwe Müller war es zu zeigen, wie sich die Natur nach dem Brand erholt. In manchen Waldökosystemen, etwa in Nordamerika, ist Feuer ein natürlicher Bestandteil des Ökosystems: Bestimmte Baumarten sind an wiederkehrende Brände angepasst, manche Zapfen öffnen sich erst durch Hitze, und die entstehende Asche schafft günstige Keimbedingungen für die nächste Waldgeneration. Entscheidend ist vor allem, wie wir auf verbrannte Flächen reagieren: Der Ökologe Prof. Pierre Ibisch betont, dass Wälder sich am schnellsten erholen, wenn man sie sich selbst überlässt, statt Totholz zu beräumen und den Boden zu pflügen.

Das belegen auch die Ergebnisse des in der Doku vorgestellten Forschungsprojekts PYROPHOB: Acht brandenburgische Institutionen untersuchten fünf Jahre lang Brandflächen bei Jüterbog und Treuenbrietzen und stellten fest,belegen, dass intensive forstliche Eingriffe nach Bränden die Regeneration von Ökosystemen erschweren können. In Treuenbrietzen etwa zeigte sich, dass sich Pionierbaumarten wie die Zitterpappel schnell und erfolgreich ansiedeln. Bereits drei Jahre nach dem Brand erreichten sie Höhen von über fünf Metern und erwiesen sich als widerstandsfähiger gegenüber Feuerereignissen als die in Brandenburg verbreiteten Kiefern. Ein weiteres zentrales Ergebnis ist die Bedeutung der natürlichen Vegetationsentwicklung sowie des Verzichts auf Bodenbearbeitung und das Belassen von Totholz nach Brandereignissen. Die Untersuchungen zeigen, dass mechanische Bodenbearbeitung nach Bränden die Bodenstruktur weiter verschlechtert und Neupflanzungen von Kiefernsetzlingen kaum eine Überlebenschance haben. Mit Blick auf – mittlerweile abgestorbene – 2019 mit großen Aufwand gepflanzte Kiefern erklärt Prof. Ibisch, das dies auch den ökonomischen Schaden verdeutlicht: »Hätte man gleich auf die Natur gesetzt, wäre es einfach gratis gewesen«. Dagegen führte der Verzicht auf Bodenbearbeitung sowie das Belassen von Totholz zu einer schnelleren Erholung der Böden und einer größeren Strukturvielfalt, die den Wasserrückhalt verbessert und Schatten spendet. Insgesamt konnten die Projektpartner*innen dokumentieren, wie sich die Natur beeindruckend selbst reguliert. »Die Ergebnisse von PYROPHOB bestätigen unsere Annahme, dass intensive forstliche Eingriffe nach Bränden für die Regeneration von Ökosystemen ungünstig sind,« erklärt Projektleiter Pierre Ibisch. Das bestätigt auch der Blick auf die Waldbrandflächen von 2022 im Nationalpark Sächsische Schweiz – hier zeigt sich nach nur drei Jahren, wie der Kreislauf der Natur wieder in Gang kommt, sofern man ihm die Möglichkeit dazu gibt.

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