Wälder sind verschachtelte Systeme – wechselseitig wirkt das größere Ganze auf die Teile, so wie auch die Komponenten zurück auf das größere Gefüge wirken. So fühlten sich auch die zwei Tage der ersten Tagung der Wald-Allianz in Meiningen an, die vom 27. bis 28. April 2026 über 150 Fachleute aus Forstpraxis, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammengebracht hat – inklusive der Studierenden des Studiengangs Sozialökolgische Waldbewirtschaftung. Nicht, um fertige Antworten zu präsentieren, sondern um Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen.
In inspirierenden Vorträgen ging es mit Physiker Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung um die »Faltung der Welt « und damit die Idee, dass eine Expansion jenseits der planetaren Grenzen keine Option ist, dass innerhalb dieser Grenzen jedoch Vielfalt wachsen kann. Beispiele wie diese Vielfalt im Wald aussehen kann gab es im Laufe der Tagung vielfach: Sei es anhand des äußerst diversen Genoms der Buche, deren volles Potential durch die aktuelle Praxis nicht ausgeschöpft wird, wie im Beitrag von Prof. Erwin Hussendörfer von der Hoschule Weihenstephan-Triesdorf deutlich wurde; der lehrreichen Dynamik der Waldentwicklung nach natürlichen Störungen im Bayrischen Wald bis hin zu Wegen aus der Monotonie der Kiefernforste im brandenburgischen Reiersdorf, die Forstbetriebsleiter Dietrich Mehl aufzeigte. Es ging um Thermodynamik und Pronaturierung, um die Bedeutung der Wälder für unser Trinkwasser und ganz praktische naturbasierte Maßnahmen, die den Wasserrückhalt im Wald maßgeblich verbessern, vorgestellt von Monika Runkel, Leiterin des Forstamts Hachenburg im Westerwald und Försterin des Jahres 2025.


Noch konkreter wurde es auf den vier Exkursionen. Es ging hinaus in den Stadtwald Meiningen mit Förster und Gastgeber Sebastian Dummer, ins benachbarte Untermaßfeld und in den Zukunftswald des Bergwaldprojekts e.V. und der Greenpeace Umweltstiftung nach Unterschönau. Denn Herzstück der Wald-Allianz sind die Partnerwälder – bei den Gesprächen im Wald wurde vieles greifbar, was sonst oft abstrakt bleibt und dabei lebhaft diskutiert. Was lässt sich aus den Erfahrungen der Praxispartner:innen für die Bewirtschaftung ableiten? In Fichtenbeständen auf stark versauerten Böden und hohen Wildbeständen genauso wie im Vorratsaufbau älterer Buchenwälder?
Das große Potential einer sozialökologischen Waldbewirtschaftung war spürbar – zugleich wurde deutlich, wie sehr, wir die Wälder in der Klimakrise brauchen. Diese Allianz macht dennoch Mut! Danke an das ganze Organisationsteam und alle Mitstreiter:innen und Partner:innen in der Wald-Allianz, die wie die Mykorrhiza im Wald das Wachstum dieses Netzwerks erst ermöglichen